Besuch im Strauhof – Gottfried Keller

Literatur im Museum einem breiten Publikum zugänglich zu machen, ist meines Erachtens eine sehr schwierige Aufgabe. Die Dominanz des Geschriebenen lässt einem von einem Beitrag zum nächsten schweifen, daher werden die Texte oft nur überflogen.

Zwei Museumsdidaktikerinnen erhielten die Aufgabe, die Ausstellung «Gottfried Keller» im Strauhof für Schulklassen zugänglich zu machen. Damit die Ausstellung die SuS nicht überfordert, darf die Klasse zu Beginn alle Räume besichtigen. Jeder Raum befasst sich mit einem Thema. Die Mediendidaktikerinnen haben sich aufgrund der Fülle dazu entschieden, dass sich die SuS auf einen Themenkomplex beschränken. Durch das Setzen eines Fokus ist der Umfang eingeschränkt und wird dadurch bewältigbar. Die Bedingung für ein konzentriertes Lesen und Arbeiten wird zudem durch die räumliche Trennung unterstützt.

Ein Raum, der bei allen sehr beliebt ist, setzt sich mit Träumen auseinander. In diesem Raum können sich die SuS hinlegen und über Kopfhörer Kellers Geschichten lauschen, ohne gestört zu werden. Auf den Kissen und an der Decke stehen kurze Zitate. Dass dieser Raum für Schulklassen besser funktioniert als andere Räume, liegt wohl daran, dass nicht viel gelesen werden muss und man sich ohne Ablenkung auf die Inhalte konzentrieren kann. Schwieriger hingegen ist es, sich (im Stehen) auf einen Text zu konzentrieren, wenn rundherum gesprochen wird. Ein konzentriertes Arbeiten ist nur dann möglich, wenn die ganze Gruppe engagiert bei der Sache ist.

Am Ende des Museumsbesuch stellen alle Gruppen ihre Ergebnisse vor. Die Museumsdidaktikerinnen ergänzen die Beiträge und betten sie ein. Das Gute an diesem Vorgehen ist, dass den SuS aufgezeigt wird, dass es keinen richtigen oder falschen Zugang zu einem Gesamtwerk gibt, sondern verschiedene Herangehensweisen existieren.

Eine Schwierigkeit der Ausstellung ist, dass sie sich eher an ein belesenes, gut informiertes Publikum richtet. Beispielsweise wird ein Interview mit Peter von Matt und Peter Bichsel gezeigt. Die AusstellungsmacherInnen gehen davon aus, dass die beiden Personen dem Publikum bekannt sind. Für eine Schulklasse bleibt aber unklar, weshalb sich diese Personen zu Gottfried Keller äussern. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass verschiedene Ebenen der Ausstellung nicht klar voneinander abgegrenzt werden. Biografische Informationen mischen sich mit literarischen Beiträgen. Bei gewissen Objekten wie Wachsfiguren bleibt unklar, ob es sich um ein Original oder eine Nachbildung handelt.

Der Besuch dieser Ausstellung mit einer Schulklasse erfordert Vor- und Nachbearbeitung, damit die SuS am Besuch Freude haben und Erkenntnisse gewinnen. Im Allgemeinen ist ein grosser Pluspunkt eines Museusbesuchs die sinnliche Erfahrung: «Das gegenständliche Lernen bildet im Museum einen Kernbereich und schwingt bei jeder Lehr- und Lernform im Museum mit.» (Schmutz 2016, 6)

 

Flavia

 

Literatur:
Thomas Schmutz (2016): Erwartungen, Kontexte und Möglichkeiten. In: Praxisleitfaden. Mit der Schule ins Museum – Ein Museum für die Schule. Susanne C. Jost, Gallus Staubli, Carola Androwski. 2. überarb. Auflage 2016. S. 6-7.

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