Die Gretchenfrage: Computerspiele im Deutschunterricht?

Die Auseinandersetzung mit der Kanonfrage im Rahmen der letzten Sitzungen inspirierte mich zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit der Verwendung von Computerspielen im Deutschunterricht. Nun, auf den ersten Blick scheint es abwegig, Computerspiele in den Deutschunterricht einzubetten und bis vor letzter Woche wäre ich wohl auch niemals auf die Idee gekommen. Denn: die Kanonfrage als solches steht (zumindest bei mir) im Weg, da – unbewusst – ein gewisser (Du-musst-)Kanon im Kopf herumgeistert. Geprägt durch die eigene Schulzeit, das Studium und die Ausbildung zur Lehrperson, haben sich gewisse Ideen und Vorstellungen in unseren Köpfen festgesetzt, die durch schwammige Lehrpläne eine Unsicherheit hervorruft, die ich bei vielen Diskussionen mit Gleichgesinnten festgestellt habe. Obwohl ich behaupten würde, dass ich eine mutige Lehrperson bin und ich sehr gerne verschiedene Ideen ausprobiere – auch wenn sie vielleicht nicht so umsetzbar sind, wie zu Beginn gedacht – habe ich aber auch gemerkt, dass nicht nur der (Du-musst-)Kanon, sondern auch der (Du-darfst-nicht-)Kanon wie eine drohende Wolke über mir schwebt. Denn ich frage mich dauernd: „Was ist denn eigentlich im DU erlaubt?“ und „Wo sind die Grenzen im DU?“ Denn grundsätzlich weiss ich genau, was ich machen sollte, aber ich habe keine Ahnung, was ich denn nicht machen darf. Denn wir dürfen ja die Ziele, die der DU hat, nicht aus den Augen verlieren. Aber ist nicht der Weg dahin egal, solange diese Ziele erreicht werden?

Nun, all diese Überlegungen haben mich an den Punkt geführt, an welchem ich mich nun mit dem Computerspiel im DU auseinandersetze. Als wir dieses Thema in der letzten Sitzung besprochen haben, galt mein erster Gedanke der Faszination, worauf anschliessend viele Fragezeichen folgten. Denn Fakt ist: Ich wäre nicht nur schlicht nicht auf die Idee gekommen, Computerspiele im DU zu thematisieren, sondern ich hätte mich auch nicht getraut. Punkt. Dann aber habe ich das Spiel „Blackbar“ (Thema: Zensur) selber heruntergeladen und mich damit auseinandergesetzt. Schon nach kurzer Zeit habe ich herausgefunden, dass sich das Spiel auf geniale und vielfältige Weise in den DU integrieren lässt – und sogar darüber hinaus. Denn das Spiel kann man interdisziplinär gut verknüpfen (Geschichte, Englisch, Informatik, etc.) und gleichzeitig lässt es auch innerhalb des DU grossen Spielraum zu. Einerseits kann man das Spiel im Zusammenhang mit Literaturgeschichte spielen und gleichzeitig ein Werk (z.B. Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“) mit den S*S lesen und vergleichen, wie diese Thematik der Zensur in verschiedenen Medien umgesetzt wird. Andererseits kann man das Spiel auch in den sprachwissenschaftlichen Unterricht einsetzen und Textsortenanalyse betreiben oder die Semantik thematisieren. Des Weiteren könnte man mit den S*S selber ein Experiment erschaffen und z.B. anonyme Mails so zensuriert verschicken, um herauszufinden, wer sich hinter dem Absender verbirgt. Nicht zuletzt ist das Thema hochaktuell (Nordkorea, Fake-News, etc.) und es gäbe genügend Material, um das Thema mit den S*S gut literaturgeschichtlich aufzuarbeiten.

Nun, wie hab ich’s denn [jetzt] mit Computerspielen im DU?

Obwohl ich zunächst sehr skeptisch war, bin ich zum Schluss gelangt, dass ich dieser Art von Computerspiel(en) eine Chance geben werde und oben erwähnte Ideen auch hoffe, eines Tages umsetzen zu können. Diese Diskussion hat mir gezeigt, dass ich meinen Horizont in Bezug auf den DU erweitern und ich mich  von der strikten Kanonfrage lösen muss – trotz der drohenden (und vielleicht eingebildeten?) Wolke über meinem Kopf.

– Alena

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