Reflexion zur Diskussion über Aufgabenformen

Mich beschäftigen aus der vorletzten Sitzung, in welcher wir verschiedene Aufgaben(-formen) diskutiert haben, insbesondere zwei Punkte: Erstens Peters Idee, die Leistung und das Wissen der SuS in Bezug auf ein eigens recherchiertes Thema, dessen Präsentation und eines Plakates zu bewerten. Und zweitens Philippes Bemerkung, dass man als Lehrperson bei der Bewertung unter ‚Druck‘ geraten kann, wenn Leistungsnachweise Plakate oder ähnliche Produkte beinhalten.

 

In der Diskussion sind einige Fragen in Bezug auf Peters Aufgabenstellung deutlich geworden: Kann man den SuS zutrauen, ein eigenes Thema zu wählen?  Wie misst man Eigenständigkeit, Gründlichkeit und Tiefe der Recherche? Kann man eine gründliche und tiefe Recherche überhaupt von einer Gymnasialklasse erwarten? Wie tief, wie gründlich muss eine solche sein? Meines Erachtens zeigt uns das, dass kreative Aufgabenstellungen viele Fallen aufweisen, die man wahrscheinlich erst nach der Durchführung oder erst beim Bewerten bemerkt. Vielleicht gibt es auch grundsätzliche Schwierigkeiten, die sich gar nicht aus dem Weg schaffen lassen (Objektivität? Vergleichbarkeit? Hilfestellungen von aussen?). Ein Grund solche Aufgabenstellungen zu vermeiden? Ich denke für viele Lehrpersonen ist dies tatsächlich ein ausschlaggebender Grund, auf klassische Prüfungsformen (Punkteprüfungen oder Aufsatz) zurückzugreifen. (Auch ich habe bisher nur klassische Formen gewählt, da ich Angst davor habe, dass sich bei meiner Bewertung Ungereimtheiten ergeben könnten, die ich unter Umständen nur schwer erklären könnte.) Grundsätzlich finde ich jedoch, dass es wichtig ist, dass man bei Aufgabenstellungen etwas wagt und neue Formen wie beispielsweise Judiths Audioguide ausprobiert. Das sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern fördert insbesondere auch andere Kompetenzen, als das klassische Prüfungen tun. Wenn man einen kompetenzorientierten Unterricht macht (was ja die meisten LPs von sich behaupten), dann sollte man auch Prüfungsformen finden, die diesem Unterricht entsprechen.

 

Wie reagiert man, wenn ein/e SuS oder eine SuS-Gruppe den sichtbaren Teil einer solchen Aufgabe (Plakat, Präsentation, Power-Point, Film) ausserordentlich gut macht, aber insgesamt eine mittelmässige Leistung erbringt? Philippe hat diesbezüglich ein grundsätzliches Problem angesprochen: In einem solchen Fall können bei der Bewertung ein Druck und eine Erwartungshaltung von Seite der Klasse und ev. auch von aussenstehenden Personen (andere LPs oder Eltern) spürbar werden. Und die Bewertung eines solchen Produkts als mittelmässig kann auf Unverständnis stossen. Ich denke, wenn man sich dessen bewusst ist, fällt es leichter, mit diesem äusseren Druck umzugehen, und ich habe mir zwei Strategien überlegt, wie ich diesbezüglich vorgehen werde:

1. Bei der Besprechung der Beurteilungskriterien diesen Fall vorwegnehmen: Wenn man von Anfang an klarstellt, welche und wie die einzelnen Aspekte in die Bewertung einfliessen und betont, dass auch ein ausserordentliches Plakat nur 10 Prozent der Gesamtbewertung ausmacht (Peters Beispiel), dann nähert man die Erwartungshaltung der SuS an die eigene Bewertung an.

2. Falls dann jemand wirklich ein ausserordentliches Produkt auf die Beine stellt, dann ist es wichtig, dass man dieses bewusst (auch vor der Klasse) als ausserordentlich gut würdigt. Dann ist allen klar, dass man schon gesehen hat, dass es in Bezug auf dieses Produkt nicht besser geht. Dass die Gesamtleistung dennoch keine 6 ist, versuchen die SuS dann vielleicht eher nachzuvollziehen. Ich finde auch, dass man in einem solchen Fall nicht davor zurückschrecken sollte, für die  ausserordentliche Teilleistung («viel-mehr-als-erwartet») einen Pluspunkt zu geben (in der Teilbewertung, die das Plakat betrifft, beispielsweise 5.5 Punkte, auch wenn man ein Insgesamt von 5 Punkten festgelegt hat), was ich wiederum der ganzen Klasse mitteilen würde.

Rahel

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