Texte und andere Formen der Kommunikation

Gerade habe ich mir das Schulbuch Sprache der Malerei von Achim Algner angeschafft. Ehlers (2016, S. 131) zählt ja zu den literaturgeschichtlichen Kompetenzen unter anderem „das In-Beziehung-Setzen literarischer Texte zu Texten/Medien aus Kunst, Philosophie, Wissenschaft und allgemeiner Geschichte“. Da ich Kunstgeschichte als Nebenfach studiert habe, möchte ich in meinem Unterricht an passender Stelle immer wieder die Analyse von Gemälden üben.

Auch Gemälde kommunizieren nämlich und haben somit durchaus ihren Platz im Deutschunterricht: Algners Sprache der Malerei beginnt dementsprechend mit einem Kapitel, dem er den Titel gibt „Alles ist Kommunikation!“ Hier schreibt er (2013, S. 8): „Damit Künstler und Betrachter sich wirklich verstehen, müssen sie die gleiche ‚Sprache‘ sprechen, wenn es nicht zu Missverständnissen kommen oder gar bei einem Unverständnis bleiben soll.“

Ich kann mir vorstellen, dass die Betrachtung von Gemälden einer bestimmten Epoche (z.B. eben der Romantik) den Schülerinnen und Schülern einen zusätzlichen Weg öffnet, über den sie zu einem tieferen (oder: anderen) Verständnis einer fernen Zeit kommen können. Für Schülerinnen und Schüler, die sich schwertun, einen solchen Zugang allein über Texte zu erreichen, ist die Betrachtung von Gemälden ein alternatives Angebot; für alle aber ist das Beiziehen von Bildmaterial eine Bereicherung.

Im Band Texte, Themen und Strukturen (S. 314) wird im Epochenüberblick zur Romantik gesagt: „[Das romantische Ich] schuf sich Fluchträume in einer idyllisch verklärten Natur, in der Fiktion eines ursprünglichen Lebens in der geordneten, heilen Welt des Mittelalters. […] Sehnsucht war das bestimmende Gefühl der Epoche.“ Eine Möglichkeit besteht darin, als Illustration dieser Aussage das Gedicht Sehnsucht von Eichendorff zu lesen (Texte, Themen und Strukturen, S. 308); und ergänzend könnte man sich mit der Klasse dann auch Gedanken zu einem Bild Friedrichs machen und dabei etwa fragen: „Welche Stimmung erzeugt in Ihnen das Bild Zwei Männer in Betrachtung des Mondes?“ (s.u.)

Spinner spricht in seinem Artikel Methoden des Literaturunterrichts ebenfalls über Text-Bild-Vergleiche (2014, S. 219–220). Dabei nennt er nicht nur die Bildbetrachtung, sondern schlägt auch vor, die Schülerinnen und Schüler zu einem bestimmten Text selbst eine Abbildung suchen zu lassen. Dies wäre mit dem Smartphone während des Unterrichts leicht zu realisieren; die verschiedenen Beiträge könnten danach auch ohne grossen Aufwand mit der Klasse geteilt werden.

Schön wäre es, sich die Beschäftigung mit Gemälden (oder anderen Medien) im Unterricht zur Gewohnheit zu machen, so dass sich die Schülerinnen und Schüler im Lauf der Jahre ein zusätzliches ‚Vokabular‘ aneignen können: Warum sollte nicht gerade im Deutschunterricht gezeigt werden, dass es neben der Sprache aus Wörtern und Sätzen noch andere Möglichkeiten gibt, sich auszudrücken?

(Kaspar)

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