Wie umgehen mit heiklen oder tabuisierten Themen

In der Diskussion vom 29. April, bzw. der Anschlussdiskussion am 5. Mai, haben wir einigermassen ausführlich über die Frage, wie ein Thema wie Sexualität oder Krankheit thematisiert werden kann/soll, besprochen.

Wir besprachen intensiv, wie man diese heiklen Themen anhand von Literatur oder anderen Zugängen thematisch machen kann. Dabei gingen wir allerdings meistens aus planerischer Perspektive vor, stellten uns also die Frage, wie wir ein solchens Thema oder eine solche Diskussion planen und führen sollen. Das Unbehagen, sich solchen Themen überhaupt gezielt zu stellen, wurde im Seminar ebenfalls ausgedrückt. Einen wichtigen Aspekt haben wir dabei, so denke ich, noch zu wenig betrachtet: Die Unvorhersehbarkeit des Thematisch-Werdens von Tabuthemen – und dies in zweierlei Hinsicht.

Einerseits können wir uns im Unterricht vielleicht nicht immer aussuchen, welche Themen in unterschiedlichen Settings sich der Diskussion aufdrängen. Unvorhersehbar auftretende aber zu thematisierende Intoleranz gegenüber Lebensformen, welche auch sexuellen Kontext haben, wie etwa Homophobie, Sexismus, Machismus, müssen genauso im Unterricht diskutiert werden wie unbequeme politische Ansichten oder Vorfälle physischer oder psychischer Krankheit/Gewalt. In solchen Situationen muss man ad hoc über unangenehme Themen sprechen. Natürlich muss nicht jedes erdenkliche Thema von einer Lehrperson auch kompetent besprochen werden können, aber es ist nicht von der Hand zu weisen, dass wir als Lehrpersonen auch ungeplant auf solche Situationen reagieren können müssen.

Andererseits hat diese Unvorhersehbarkeit für die Thematisierung von tabuisierten Themenfeldern auch seine Vorteile. Man muss vielleicht das Thema Sexualität in Verbindung mit einer Sexszene in einem literarischen Text gar nicht als Lektionsplan vorbereiten und damit die Lernendnen zur Befassung mit dem Thema nötigen. Eventuell kann es auch vorteilhaft sein, wenn das Thema genetisch aus den Interessen der Lernendnen erwächst, ohne dass man als Lehrperson dieses durch Einplanung erzwingt. Man nimmt tabuisierten Themen vielleicht auch etwas an Macht, wenn man sie unproblematisch ansprechen und mit einer Klasse thematisieren kann, wenn sie auftauchen.

—- Marco

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